Finanzberater finden: Wo bekomme ich eine gute Finanzberatung?

Wer sein Geld mit Hilfe eines Finanzberaters oder einer Finanzberaterin anlegen will, findet im Netz zahlreiche, zum Teil auch selbst ernannte Finanzexperten.

 

Leider sind Berufsbezeichnungen wie Finanzberater, unabhängiger Vermögensberater und Makler "auf Honorarbasis" für Finanzanfängerinnen und -anfänger sehr verwirrend.

 

Das Problem: Bei den meisten sogenannten Finanzberatungen handelt es sich eben nicht um unabhängige Anlageberatungen, sondern um Finanzproduktverkäufe. Heißt konkret: Der Finanzberater oder die Finanzberaterin ist kein Berater, sondern ein Verkäufer und lebt von Provisionen und Bestandsgebühren. Diese Provisionen stammen -

raten Sie mal - genau: von Ihrem Geld, welches Sie einbezahlen.

Finanzberatung auf Provisionsbasis ist lukrativ: Aber leider nicht für Sie, sondern für den Finanzberater oder die Finanzberaterin.

 

Dabei geht es keineswegs nur um ein paar Scheinchen: allein beim Vertragsabschluss Ihres Mischfonds, Ihres Anlagezertifikats oder Ihren ach so steuergünstigen Rürup-Vertrag kommt für den Finanzproduktverkäufer schnell ein vierstelliger Eurobetrag zusammen, der über die Jahre schnell fünfstellig wird.

Das sollten Sie über Finanzberatung auf Provisionsbasis wissen

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Die meisten Finanzberater und Finanzberaterinnen leben von Provisionen. Allein für den Abschluss eines Vertrags fallen meist vierstellige Eurobeträge an. Das Problem: Der Kunde oder die Kundin bekommt das oft nicht mit.

Bevor Sie sich für einen Finanzberater bzw. ein Finanzprodukt entscheiden, sollten Sie die Strukturen und Abhängigkeiten der deutschen Finanzindustrie einigermaßen durchschauen.

 

Den meisten Menschen ist beispielsweise nicht klar, dass viele gut klingende Berufsbezeichnungen wie

 

  • Finanzberater
  • Vermögensberater
  • Finanzcoach
  • und ja, auch Honorarberater

 

überhaupt nicht geschützt sind! Jeder und jede darf sich also aus dem bunten Strauß an Berufsbezeichnungen eine aussuchen. Sie oder er müssen dafür auch keine bestimmte Qualifikation vorweisen, eine Prüfung ablegen oder bei der Beratung bestimmte Standards einhalten.

 

Ich selbst bezeichne mich im Alltag übrigens auch häufig als Honorarberater. Allerdings mache ich das nur, weil es kürzer und griffiger als das Wortungetüm Honorar-Finanzanlagenberater ist.

 

Die Gewerbeordnung (GewO) sieht für Berater, die im Segment Finanzen und Altersvorsorge tätig sind, drei verschiedene Zulassungen vor.

 

1. Der Versicherungvermittler gemäß § 34 d Absatz 1 GewO: Wird per Provision von Versicherungen, Banken etc. bezahlt. Darunter fallen Versicherungsvertreter, die nur für eine Versicherung arbeiten, aber auch Versicherungsmakler, die mehrere Versicherungen vertreten. Sie vermitteln Sachversicherungen, aber auch Finanzprodukte wie Riester- und Rürupverträge, häufig in einer teuren fondsgebundenen Variante und im Versicherungsmantel. Allein die Abschlussprovision beträgt oft das sechsfache bis neunfache des Monatsbeitrags plus Bestandsprovision von 1 bis 2 Prozent pro Jahr.

 

2. Der Finanzanlagenvermittler gemäß § 34 f GewO: Auch eine Finanzanlagenvermittlerin bzw. ein Finanzanlagenvermittler wird per Provision bezahlt. Deshalb werden ihnen hier fast niemals kostengünstige ETFs (die zahlen keine Provisionen), sondern regelmäßig teure aktiv gemanagte Fonds vermittelt, deren Ausgabeaufschläge von Ihrer Anlagesumme abgezogen und beim Vermittler gutgeschrieben werden. Auch von den hohen laufenden Kosten bekommt der Vermittler laufend z.B. 0,5 Prozent oder 0,75 Prozent pro Jahr.

 

3. Der Honorar-Finanzanlagenberater gemäß § 34 h GewO: Diese Zulassung hat der Gesetzgeber erst 2014 eingeführt. Ein Honorar-Finanzanlagenberater darf keine Provisionen annehmen. Er wird immer direkt vom Kunden oder der Kundin bezahlt. Er kann gut oder schlecht sein, in jedem Fall hat er oder sie aber keinen Anreiz Ihnen teure Produkte aufzuschwatzen.

Finanzberater versteht jeder, die Bezeichnung Honorarberater ist erklärungsbedürftig

Sie erkennen also langsam das Problem: Bei fast allen Finanzberatern und Vermögensberatern handelt es sich um keine Berater, sondern um Verkäufer. Die missbräuchliche Verwendung des Begriffs "Berater" entwertet aus meiner Sicht den Begriff des Finanzberaters ganz erheblich.

 

Ganz grob lassen sich Finanzberater und Finanzberaterinnen durch die Art ihrer Bezahlung in zwei Kategorien einteilen

 

1. Echte unabhängige Anlageberater, die sich - wie ich - direkt vom Kunden oder der Kundin bezahlen lassen. Für sie hat der Gesetzgeber den Begriff des Honorar-Finanzanlagenberaters und Honorar-Anlageberaters erfunden. Nicht Pulitzer-Preis-verdächtig, aber gesetzlich klar definiert und reguliert.

 

2. Finanzberater, die sich per Provision von Produktanbietern, also von Fondsanbietern wie Deka (Sparkasse), Union Investment (Volksbank), DWS (Deutsche Bank), Banken und Versicherungen bezahlen lassen. Sie haben eine Zulassung als Vermittler oder Makler.

 

Dazu zählen natürlich auch vermeintlich unabhängige Finanzberater und Finanzberaterinnen der großbuchstabigen Finanzvertriebe, die ihre häufig jungen Kunden und Kundinnen mit gratis Benimmseminaren oder Bewerbungstrainings locken. Wichtig: Nur weil ein Finanzberater mehrere Produktanbieter im Portfolio hat, ist er noch lange nicht unabhängig. Denn:

 

a) ist die Produktauswahl eines provisionsabhängigen Finanzberaters meist  begrenzt. Es ist bekannt, dass bestimmte Finanzvertriebe fast allen Kunden stets teuere fondsgebundene Lebensversicherungen oder Rürup-Verträge desselben Anbieters verkaufen.

 

b) hat ein Finanzberater, dessen Einkommen von Provisionen abhängt, natürlich immer einen Interessenskonflikt. Wenn ein Finanzberater von einem Produktanbieter A fünf Prozent Provision zugesichert bekommt und von B aber 10 Prozent - welches Produkt wird er dann wohl empfehlen?

 

Was mich auch stört: Diese Finanzberater:innen erwecken den Eindruck, dass ihre Beratung gratis sei. Tatsächlich muss man die Zeit, die der Finanzberater bis vor dem Vertragsabschluss aufwendet, nicht bezahlen (warum auch? Es ist ja keine Beratung, sondern ein Verkaufsgespräch).

 

Sobald man einen Vertrag bei einem Finanzberater bzw. Finanzberaterin auf Provisionsbasis abschließt, wird es sehr teuer. Und das dauerhaft.

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Nicht alle Eier in einen Korb legen, lautet eine Regel bei der Geldanlage. Zwar sind Mischfonds diversifiziert, sie sind aber auch extrem teuer. Warum? Weil Finanzberater für Mischfonds besonders hohe Provisionen erhalten.

Finanzberater versus Honorarberater: Provision oder direkte Bezahlung?

Falls Sie also die externe Unterstützung eines Finanzberaters nutzen wollen, müssen Sie sich klar machen, wie die Geldströme funktionieren:

 

1. Entweder bezahlen Sie Ihren Finanzberater direkt. In diesem Fall sollten Sie sich einen Honorar-Finanzanlagenberater 34h suchen, der nach Stunden abrechnet.

 

2. Oder Sie kaufen ein Finanzprodukt von einem Finanzberater mit Zulassung als Vermittler bzw. Makler.

 

Ein einmaliger Rechnungsbetrag für einen Honorarberater von 900 oder 1300 Euro klingt zwar hoch, ist aber langfristig deutlich günstiger. Denn laufende Kosten und Bestandsprovisionen sind Gift für Ihre Rendite.

Gute Honorarberater, schlechte Honorarberater

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Buchtipp: In "Beraten statt verraten" erläutert das Autoren-Duo Ulrich Bosetti und Hartmut Walz die Tricks und Manipulationen der Versicherungs- und Finanzindustrie. Preis 20 Euro, FAZ Buch.

Fairerweise muss ich als Honorarberater zugeben, dass die Abrechnung nach Stunden bei Honorar-Finanzanlagenberatern nicht selbstverständlich ist.

 

Es gibt nämlich auch zahlreiche Honorar-Finanzanlagenberater, die prozentuale Kosten bezogen auf  das Vermögen des Kunden abrechnen. So bauen sie sich über die Jahre ein passives Einkommen auf. Regelmäßig findet man bei solchen Modellen überkomplexe Portfolios mit vielen Einzelbausteinen, die auch häufiger mal umgeschichtet werden. Der Honorarberater muss ja seine hohen laufenden Kosten irgendwie rechtfertigen.

 

Für den Anleger oder die Anlegerin ist diese Variante der Vergütung oft genauso teuer wie der Provisionsverkauf durch den klassischen Finanzberater. Wenn Honorarberatung so teuer ist, wie Provisionsverkauf, stellt sie aus meiner Sicht keinen Fortschritt dar.

 

Und weil es ja nicht schon kompliziert genug ist, lässt der Gesetzgeber auch Mischformen zu. Damit hat er eine Übergangslösung für Finanzberater geschaffen, die zwar gerne Honorar-Finanzanlagenberater sein wollen, aber aus existenziellen Gründen nicht ihre alten Zulassungen als Finanzanlagenvermittler oder Versicherungsvermittler über Bord werfen können. Es gibt also Honorarberater gemäß 34 h GewO, die gleichzeitig eine Zulassung nach 34 d GewO oder 34 f  GewO haben.

 

Ich empfehle bei der Wahl des Finanzberater also folgende Vorgehensweise:

 

1. Lassen Sie sich von Begriffen nicht blenden, werfen Sie IMMER einen Blick ins Impressum bzw. in die Statusinformationen eines möglichen Anlageberaters in Sachen Finanzen und Altersvorsorge.

 

2. Lassen Sie sich die Vergütung genau erklären, das gilt eben gerade auch für Honorarberater (= nicht geschützter Bezeichnung) und Honorar-Finanzanlagenberater (= geschützte Bezeichnung).

 

Da ich selbst nun bei der Frage, ob Finanzberater oder Honorarberater besser sind, wahrlich nicht unabhängig bin, verweise ich gerne auf das Buch "Beraten statt verraten" von Ulrich Bosetti und Professor Hartmut Walz. Das Werk geht auf rhetorische und psychologische Fallen und Manipulationen der Finanz- und Versicherungsbranche ein und erläutert auch alle Zulassungen detailliert. Eignet sich Für Leser und Leserinnen, die es genau wissen wollen und sich auf ihr nächstes Gespräch mit ihrem Finanzberater wappnen wollen. Besonders Kapitel C bietet eine Umsetzungshilfe bei der Suche des richtigen Beraters.

 

Egal wie Sie sich entscheiden, hoffe ich, dass ich Sie in punkto Finanzberater bzw. Finanzberatung in Ihrer Lernkurve etwas weiter gebracht habe.

 

Falls Sie wissen wollen, wie ich bei meiner Honorarberatung vorgehe, können Sie gerne meinen Blogartikel die 7 Schritte meiner Honorarberatung lesen.

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