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Direktversicherung für Grenzgänger sinnvoll?

Direktversicherungen sind lukrativ. Aber nicht für Sie als Grenzgängerin oder Grenzgänger, sondern für die "Berater", die Ihnen die Direktversicherung für Grenzgänger auf Provisionsbasis verkaufen.

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Viele Grenzgänger aus Lörrach, Weil am Rhein, Grenzach und Rheinfelden arbeiten in Basel und verdienen gutes Geld. Das wissen auch sogenannte Berater, die Grenzgängern gerne Direktversicherungen verkaufen. © G. Friedrich

Was genau ist eine Direktversicherung überhaupt?

Eine Direktversicherung zählt zu den fünf Durchführungswegen der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) in Deutschland. Es ist eine (teure) Lebens- oder Rentenversicherung, die Ihr Arbeitgeber für Sie abschließt.

 

Sie zahlen maximal vier Prozent Ihres Bruttoeinkommens ein. Der Maximalbetrag, den Sie einzahlen können, bemisst sich an der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung. Für das Jahr 2021 sind das derzeit insgesamt 6816 Euro. Maximal 6816 Euro können Sie von Ihrem Bruttoeinkommen abziehen und müssen Sie nicht versteuern. Da Sie einen Teil Ihres Gehalts in die Altersvorsorge investieren, spricht man auch von Entgeltumwandlung. Ergo: Sie "sparen" Steuern und sorgen gleichzeitig für Ihr Alter vor. Klingt doch gut, oder nicht?

Warum ist eine Direktversicherung für Grenzgänger nicht sinnvoll?

Was die Verkäufer von Direktversicherungen in der Regel "vergessen" zu ewähnen:

 

  • Direktversicherungen für Grenzgänger sind teuer und wenig rentabel. Hohe Vertriebsprovisionen und Gebühren zehren ständig am Kapital, die niedrigen Zinsen tun ein übriges

 

  • Die Steuern werden auch bei einer Direktversicherung für Grenzgänger nicht gespart, sondern in die Rentenphase verschoben. Die mögen dann tiefer sein, aber es ist eben kein Einsparen der Steuern

 

  • Alle gesetzlich Krankenversicherten müssen auf Rentenanteile aus Direktversicherungen über 164,50 € Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge plus Pflegeversicherungsbeiträge zahlen. Zusammen an die 20 Prozent

 

  • Als Grenzgänger in die Schweiz erhalten Sie von Ihrem Schweizer Arbeitgeber keinen Zuschuss für eine deutsche betriebliche Altersvorsorge. Die im Betriebsrentenstärkungsgesetz vorgeschriebenen Arbeitgeberzuschüsse von mindestens 15 Prozent gelten nicht für Grenzgänger

 

  • Beiträge von Grenzgängern zu einer Direktversicherung werden nach Abzug der Sozialbeiträge geleistet. Die für in Deutschland Beschäftigte Direktversicherte geltende Befreiung von Sozialabgaben bis 3408 € gilt nicht für Grenzgänger

 

Rechnet man alle Nachteile zusammen, können Grenzgänger:innen davon ausgehen, dass sie vermutlich (deutlich) älter als 90 Jahre werden müssen, um das in die Direktversicherung eingezahlte Kapital zurückzubekommen.

 

Fazit: Verbraucherschützer geben als Faustregel: Eine Direktversicherung lohnt sich nur für Arbeitnehmer, die mindestens 20 Prozent Zuschuss vom Arbeitgeber erhalten. Da ein Arbeitgeberzuschuss bei Grenzängern laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales nicht möglich ist, ist eine Direktversicherung für Grenzgänger nicht sinnvoll.

Begriff "Säule 3a für Grenzgänger" ist reine Mogelpackung

Honorarberater Michael Ritzau ist Experte für Grenzgänger und Schweizer Pensionskassen
Honorarberater Dr. Michael Ritzau war als Chemiker selbst Grenzgänger und kennt sich mit Schweizer Pensionskassen aus. © G. Friedrich

Vorsicht: Das werbewirksame Label "Säule 3a für Grenzgänger" hat nichts mit der Schweizer Säule 3a zu tun. Hier werden bAV-Direktversicherungen unter falschen Namen vermarktet.  

 

Lassen Sie sich von Banken, Versicherungen oder scheinbar unabhängigen Grengzänger-Beratungen nicht über den Tisch ziehen und informieren Sie sich vorab aus seriösen und unabhängigen Quellen. Dazu gehören beispielsweise Verbraucherzentralen. Aber auch Honorarberater wie mich, die unabhängig beraten, weil sie direkt von ihren Kunden und Kundinnen bezahlt werden. Mein Honorar richtet sich nicht nach der Provision eines verkauften Versicherungsprodukts (aus dem einfachen Grund, weil ich nichts verkaufe), sondern nach dem Zeitaufwand meiner Beratung. In meiner Kosten-Tabelle erfahren Sie mehr zum Thema Kosten von Finanzprodukten im Vergleich zu den Kosten einer Honorarberatung auf Stundenbasis.

 

Falls Sie einen persönlichen Eindruck von mir gewinnen wollen: Ich halte regelmäßig meinen Vortrag "Kleine Finanzkunde für Grenzgänger" an fast allen Volkshochschulen im Dreiländereck wie Lörrach, Waldshut, Grenzach-Wyhlen, Bad Säckingen, Schopfheim und Weil am Rhein u.a.. In einigen Volkshochschulen zählt mein Vortrag mittlerweile zu den bestbesuchten Veranstaltungen.